Komplettes Programm

Förderprogramm für CarSharing
Es gibt Förderprogramme für Hausdämmung, Stromeinsparungen und regenerative Energie; all diese Programme sind Bestandteile der Energiewende. In vielen Kommunen gibt es schon gute Einzelbeispiele für eine Förderung von CarSharing; von keiner aber wurde dafür ein richtiges Programm aufgestellt, obwohl CarSharing als Bestandteil der Mobilitätswende ein weiteres Standbein der Energiewende ist.
Dieses Förderprogramm richtet sich an ländliche Kommunen. Für Großstädte ist ein solches Programm nicht nötig, da sich dort die CarSharing-Anbieter der Autokonzerne (BMW, VW, Mercedes, Ford, Renault…) und der Bahn wohl flächendeckend niederlassen werden.

Ein gut konzipiertes Förderprogramm dörflicher und kleinstädtischer Kommunen für CarSharing könnte einen Beitrag dazu leisten, die Ziele der Energiewende (insbesondere der Mobilitätswende) zu erreichen, indem es
Bürger anspornt, einen CarSharing-Verein zu gründen, und aufzeigt,
wie die Kommunen solche Gründungen ideell, organisatorisch, werbetechnisch und finanziell unterstützen, das Wachstum der Vereine, vor allem ihre Ausdehnung in alle Ortsteile, beschleunigen und durch ihren Einfluss auf Stadtwerke, Banken und größere Firmen ein Netzwerk der CarSharing-Förderung entstehen lassen könnten.

Mit einer Förderung wird nicht nur ein Beitrag geleistet zum Umweltschutz, sondern auch zu einer nachhaltigen Entwicklung im ländlichen Raum.
Ein CarSharer kauft vor Ort wieder mehr ein; so werden die örtlichen Geschäfte im Zentrum gestärkt und dies macht das Leben in einer Kommune noch attraktiver.

Mit der Förderung wird/werden
– die Lebensqualtität des ländliche Raums verbessert,
– die Mitwirkung der Bürger gefördert,
– Ressourcen geschont weniger Autos gebaut, weniger Parkplätze nötig…..)
– eine nachhaltige Mobilitätsform unterstützt
– die Bürger lernen mehr mit anderen Verkehrsmittel unterwegs zu sein (zu Fuss, Fahrrad, ÖPNV)
– die Bürger lernen achtsam und verantwortungsbewußt sich fortzubewegen (mobil zu sein)
– das Mobilitätsangebot im ländlichen Raum verbessert
– der Tourismus gefördert
– die Kaufkraft vor Ort gestärkt
– die Wirtschaftlichkeit von Gemeindeläden gesteigert
– der regionale Absatz der einheimischen Produkte gefördert
– ein Beitrag zur Verkehrswende geleistet
– eine Kommune eher energieautark
– die Entstehung von Kleinunternehmen (CarSharingverein, Gemeindeläden) gefördert
– die Arbeitsplätze in der Kommune erhalten oder gefördert
– die Fahrstrecken zum entfernten Arbeitsplatz reduziert
– die Elektromobilität mit CarSharing gefördert

In folgenden Programmentwurf nenne ich bereits bestehende Vorbilder der kommunalen CarSharing-Förderung und füge sie zu einem Programm zusammen. Dabei wird zu den einzelnen Vorschlägen Beispiele aus Kommune genannt, wo dies schon so praktiziert wird; bei vier Vorschlägen (,P, Q, R,S) handelt es sich um Maßnahmen, die meines Wissens noch von keiner Kommune umgesetzt wurden.
Die Förderung kann aus folgenden Maßnahmen bestehen:

A) Kommune beantragt eine Förderung als Leader-Projekt oder bei der DBU
Ein sehr gutes Beispiel für ein Leader-Projekt mit CarSharing existiert in vier Dörfern in der Eifel (z.B. Dorf Freilingen)
Siehe: Eifel-Dorf Freilingen
CarSharing wird auch in einem Beispiel durch das Förderprogramm Civitas-Dynamo gefördert(CarSharing in Herzogenrath)
Die Deutsche Bundesstiftung für Umwelt (DBU) hat schon im Jahr 2000 CarSharing unterstützt. Leipzig:http://www.oekoloewe.de/media/documents/1370879965_1.pdf

B) Ausfallbürgschaft
Um in einem Wohngebiet, in dem noch beim Start des Projekts nur wenige Vereinsmitglieder leben, die Etablierung des CarSharing-Angebots zu ermöglichen, leistet die Kommune in den ersten drei Jahren dem (nicht-kommerziellen) Anbieter eine Ausfallbürgschaft für das dort aufzustellende Auto. Die Höhe der Ausfallbürgschaft wird nach den Wirtschaftlichkeits-berechnungen des Anbieters festgelegt und jährlich gemäß seiner Bilanzen überprüft. Ihre Auszahlung erfolgt zu Beginn des Haushaltjahres, ihre Rückzahlung im Laufe der Folgejahre.
Beispiel: Stadt Erding (1x 2500 Euro, 1x 1000 Euro)

C) Zuschuss für den Mitgliedsbeitrag beim CarSharing-Verein
Die Kommune ermutigt ihre Bürger, Mitglied im Verein zu werden, indem sie bedürftigen Personen/Familien als Subvention für den Aufnahme- oder Jahresbeitrag einen einmaligen Zuschuss (z.B. von 50 Euro) gewährt
Beispiel: Rathaus Wasserburg fördert CarSharing: durch Familienpass
siehe:  Autoteiler Wasserburg  und: Wasserburger Familienpass

D) Spenden/Sponsoring/Werbeverträge
Die Kommune selbst spendet Geld für die CarSharing-Organisation oder tritt an Firmen heran, um sie als Sponsoren zu gewinnen. Diese übernehmen 3 – 5 Jahre lang die Patenschaft für ein Auto, indem sie jährlich für eine Werbefläche auf ihm zahlen.
►Siehe zahlreiche Spenden von Kommunen für die bayernweite CarSharing-Kampagne
►Siehe Sparda-Bank München
►Siehe Spenden von OB und Banken (Kaufbeuren): 02.04.13 – Rundmail 4/2013

E) Öffentlichkeitsarbeit/Werbung und Beratung durch Kommune/Stadtwerke
Die Stadt unterstützt CarSharing, indem es bei einer Startveranstaltung (Einweihungsfeier) die Bürger dazu ermutigt, Mitglied zu werden, und selber dafür in der Presse und auf seiner Homepage Werbung macht.
Kommunen und/oder Stadtwerke beraten und motivieren mit Vorträgen zu CarSharing.
Beispiel für Beratung zu CarSharing im Mobilitätszentrum der Stadtwerke Osnabrück
Beispiel für Werbung durch die Stadtwerke Osnabrück
Ein sehr gutes Beispiel für die Website bietet die Stadt Ansbach

F) Satzung für CarSharing-Standplätze – Aussetzung der Stellplatzpflicht
Die Kommune bietet auf städtischen Liegenschaften Standplätze für CarSharing-Autos an. Sie kann zudem Bauträger, die sie zur Ausweisung von allgemeinen Auto-Stellplätzen verpflichtet hat, von dieser Pflicht teilweise befreien, wenn von ihnen stattdessen ein Standplatz für ein CarSharing-Auto eingeplant wird.
Siehe  Stellplatzsatzung Bremen und Stellplatzortsgesetz Bremen

G) Gemeinsames Mobilitätsangebot ÖPNV, CarSharing, Bikesharing
Die Kommune initiiert und fördert ein gemeinsames Transport- und Mobilitätsangebot von ÖPNV, CarSharern und BikeSharern.
Viele Beispiele im Umweltverbund Bundesverband CarSharing
Siehe Mobilitätsangebot Magdeburg
Siehe Angebot Osnabrück

H) Heranziehung eines externen CarSharing-Anbieters
Die Kommune holt zum Aufbau einer Autogemeinschaft einen CarSharing-Anbieter von außen in den Ort.
Beispiel Vilsbiburg
Hier erfolgte der Start gleich mit einem Elektro-CarSharing-Anbieter (E-Wald).

I) Bereitstellung eines Elektroautos für CarSharing durch Stadtwerke
Die Kommune bewirkt, dass sich die Stadtwerke ein Elektroauto anschaffen und es dem örtlichen CarSharingVerein kostenlos zur Verfügung stellen.
Beispiel Kaufbeuren Pressebericht vom Kreisboten 02.11.2013.pdF

J) Finanzielle Beteiligung der Stadtwerke
Die Kommune ermöglicht es den Stadtwerken, sich am CarSharing finanziell zu beteiligen oder sogar dessen Teilhaber zu werden.
Beispiel Stadtwerke Osnabrück

K) Masterplan für CarSharing + Aktionsplan der Energiewende
Die Kommune entwirft einen Masterplan für CarSharing.
Beispiel: Germering bei München
Der Kommunalverband nimmt CarSharing in seinen Aktionsplan zur Energiewende auf und strebt den flächendeckenden Aufbau von CarSharing an.
Beispiel: Energiewende Landkreis Ebersberg, der bis 2030 an allen Orten mit mehr als 100 Einwohnern ein Autoteiler-Angebot vorhalten will.

L) Mitgliedschaft der Kommune + Dienstauto als CarSharing-Auto
Die Kommune reduziert ihren Fuhrpark und wird Mitglied der lokalen CarSharing-Organisation und zugleich Nutzer ihrer Autos.
Die Kommune stellt an Abenden oder Wochenenden ein Dienstauto für CarSharing zur Verfügung.
Die Kommune motiviert große Betriebe, das lokale CarSharing zu nutzen oder Firmenautos abends und an Wochenenden als CarSharing-Autos anzubieten.
Sehr oft verwirklicht, z.B. in Klimaschutz  Hemmingen

M) Anmeldung für CarSharing im Rathaus oder bei den Stadtwerken
Bürger können sich im Rathaus für CarSharing anmelden.
So bald in Hemmingen

N) CarSharing-Standplätze im Liniennetzplan des ÖPNV
An jeder Busstation und im Fahrplanheft des ÖPNV sind die CarSharing-Stationen/ Standplätze eingezeichnet.
Siehe  Liniennetzplan Freising:

O) Zuschuss für CarSharing/Bikesharing mittels Werbeflächen
Die Kommune lässt zusätzliche kommerzielle Werbeflächen im Gemeindegebiet zu und stiftet den Erlös daraus den CarSharing/BikeSharing-Organisationen.
Beispiel: Paris hat dies für BikeSharing gemacht.

P) Hinweisschilder auf CarSharing-Standplätze an Straßen
An den Eingängen der Straßen mit CarSharing-Standplätzen werden für sie Hinweisschilder angebracht.
Noch kein Beispiel bekannt.

Q) Erwerb und Vermietung der Nutzungsrechte eines CarSharing-Buchungssystems
Die Kommune erwirbt die Rechte an dem Buchungssystem eines großen CarSharing-Anbieters und stellt das System ihrer lokalen Autogemeinschaft gegen eine Mietgebühr zur Verfügung.

R) Einführung eines Bike-Sharings
CarSharer sind erfahrungsgemäß – wesentlich häufiger als die Durchschnittsbevölkerung – zugleich auch Fahrradfahrer. Deshalb sollte die Kommune dafür sorgen, dass mehr Fahrradstellplätze (gerade auch nahe den CarSharing-Standplätzen) geschaffen werden und zudem eventuell ein örtliches Fahrradverleihsystem (BikeSharing) aufgebaut wird.

S) CarSharing-Befragung der Einwohner durch die Kommune
Die Kommune führt bei den Einwohnern eine Befragung des Mobilitätsverhalten durch, stellt dabei CarSharing vor und befragt gleichzeitig den Bedarf an CarSharing.

T) Die Stadtwerke erstellen Werbematerial für CarSharing
Ein sehr gutes gelungenes Beispiel gibt es dazu beim MVV (München); der MVV hat einen Flyer erstellt, der alle CarSharingangebote im Großraum München aufzeigen (35 Kommunen, 13 CarSharingvereine). Siehe MVV-Muenchen

U) Stadtwerke beteiligen sich an einem Bürgerbus,
der durch einen CarSharingverein betrieben wird. Es gibt schon viele Beispiel (100 in Nordreihnwestfalen) für einen Bürgerbus (6-8 Passagiere), der auf dem Land mit ehrenamtlichen Fahrern für Kinder, Behinderte und Senioren betrieben wird. Der Bus fährt unter dem Motto “Bürger fahren für Bürger”.
Siehe dazu den Film „Bürgerbus“

V) Planung zentraler Mobilstationen in der Stadt
Im Stadtgebiet werden so genannte „Mobilpunkte“ errichtet, die Bushaltestelle, CarSharing-Stützpunkt und Radabstell-Anlage in einem sind. So kann bequem zwischen den Verkehrsmitteln gewechselt werden. Eine Mobilitätszentrale am Bahnhof gibt Auskunft zu allen aktuellen Möglichkeiten der klimafreundlichen Fortbewegung. Auch in innovative Fortbewegungsmittel und E-Mobilität wird investiert. In neuen Wohnbaugebieten werden  Flächen für CarSharing und Ladestationen für Pedelecs vorgesehen.
Siehe: Esslingen + CO

W) Mobiltätspaket für Neubürger
Das Mobilitätspaket soll dazu beitragen, dass Busse und Bahnen, das Fahrrad sowie
CarSharing-Angebote als Alternative zum eigenen Auto stärker wahrgenommen werden.
Dies ist mit dem Modellversuch im Frühjahr 2009 eindrucksvoll gelungen: Fast 70 Prozent
der Neubürger fühlten sich mit dem Mobilitätspaket über das Angebot öffentlicher
Verkehrsmittel gut bis sehr gut informiert, rund 20 Prozentpunkte mehr als diejenigen
Befragten, die es nicht bekommen haben.
Siehe Veröffentlichung aus Aachen: Mobilitätsmanagment statt Umweltzone

 

Die Vielzahl der hier vorgeschlagenen Maßnahmen sollten CarSharing-Initiatoren und
-Vereine als Anregung für Anträge an ihre Kommune betrachten. Die Kommunen wiederum könnten sich daraus ihr eigenes Förderprogramm zusammenstellen. Insgesamt soll dieses Förderprogramm dazu dienen, eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen CarSharing-Organisationen und Kommunen zum Nutzen beider zu stimulieren und intensivieren.

02.09.2014
Johann Englmüller
Berater für CarSharing und nachhaltiger Mobilität
https://www.facebook.com/StadtteilautoFreising

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