Mobilitätslösungen ländlicher Raum

Kreative Lösungsansätze der Bürger fördern
Mit zunehmender Abwanderung und Alterung der Bevölkerung im entlegenen ländlichen Raum werden sich in Zukunft nur jene Dörfer stabilisieren, in denen eine aktive Bürgerschaft für attraktive Lebensbedingungen sorgt. Wo kein Gemeinschaftsgefühl entsteht, wo keine Innovation stattfindet, wird der demografische Niedergang nicht aufzuhalten sein. Bürgerschaftliches Engagement kann in Zusammenarbeit mit der Verwaltung erheblich zur Daseinsvorsorge und zum sozialen Zusammenhalt beitragen. Der ländliche Raum braucht deshalb niedrigschwellige und unbürokratische Fördermöglichkeiten für die „Macher“ vor Ort. Und zwar sowohl als „Risikokapital“ für innovative Ideen wie auch als dauerhafte institutionelle Unterstützung des Engagements zur Daseinsvorsorge der verbleibenden Bevölkerung. Empfehlenswert ist dafür die Errichtung einer „Stiftung Ländlicher Raum“. Sie könnte sowohl staatliche Mittel als auch Mittel privater Stiftungen bündeln, um neue, angepasste Lösungen „von unten“ zu fördern, statt sie „von oben“ vorzugeben. Gleichzeitig kann eine solche Stiftung einen Wissens- und Ideentransfer zwischen Regionen ermöglichen und den Kommunen beratend und begleitend zur Seite stehen.
Siehe dazu auch das Handbuch der TU-Berlin:
Handbuch: Umwelt- und familienfreundliche Mobilität im ländlichen Raum

Neue Mobilitätskonzepte entwerfen
Gleichzeitig müssen zukunftsfähige Mobilitätskonzepte entwickelt werden. Das Bundes- und Landesstraßennetz sollte hinsichtlich seiner tatsächlichen Verkehrsbedeutung neu geordnet werden. Zudem müssen die Voraussetzungen für funktionierende Mobilitätsketten auch im ländlichen Raum geschaffen werden. Nicht selbstständig mobile Bewohner müssen durch eine Kombination geeigneter Verkehrsmittel – etwa Bürgerbus und Linienverkehr – jene Orte erreichen können, die für sie infrastrukturell von Bedeutung sind.
Diese Texte sind entommen der Seite:   berlin-institut.org/demografie/schrumpfen-planen

Die Oma im Schulbus, der Paketdienst als Personentransporter
Paketdienste, Schulbusse oder der Pkw des Nachbarn als Fortbewegungsmittel für alle: Neue Mobilitätslösungen für den ländlichen Raum präsentierten Fachleute aus dem In- und Ausland am 2. Oktober bei einem gemeinsamen Symposium von ÖAMTC Oberösterreich und OÖ Gemeindebund.
Anlass der Veranstaltung: Im ländlichen Bereich hängt die Mobilität immer stärker am Auto. Zwar bieten Verkehrsverbünde regelmäßige und zuverlässige Verbindungen in ländliche Regionen an, außerhalb der Fahrplanzeiten sowie für Wege innerhalb der Gemeinden gibt es zum privaten Pkw aber praktisch keine Alternative. Das ist problematisch, weil einerseits immer mehr junge Menschen auf ein eigenes Auto verzichten und andererseits die Zahl älterer Bürger, die nicht mehr Auto fahren können oder wollen, wächst. Fehlt eine funktionierende Mobilitätsversorgung, besteht Gefahr, dass Junge abwandern und Ältere ihre Selbständigkeit verlieren.

Mitfahr-Netzwerke und lokale Car-Sharing-Modelle
Beim Symposium wurden Beispiele aufgezeigt, wie man den Autobestand, der auch in den entlegensten Gebieten meist ausreichend vorhanden ist, für den allgemeinen Personentransport nutzen und so den Privat-Pkw zu einem öffentlichen Verkehrsmittel machen könnte. Sehr gut funktioniert dieser Ansatz bereits in der Gemeinde Blauen in der Schweiz, wo mit der Plattform „FahrMIT“ ein kommunales, perfekt in den lokalen Busfahrplan integriertes Mitfahrnetzwerk geschaffen wurde. Blauens Gemeindepräsident Dieter Wissler präsentierte dieses Mobilitätsprojekt beim Symposium. Auch digitale, über das Smartphone organisierte Mitfahr-Plattformen, mit denen man sich zu Fahrgemeinschaften verabreden kann, haben Potenzial, die Mobilitätsversorgung am Land zu verbessern. Gleiches gilt für lokale Car-Sharing-Systeme, die innerhalb der Gemeinde auch als Leihwagen oder Ruf-Taxis genutzt werden könnten. Örtliche Vereine sind als Betreiber solcher Car-Sharing-Angebote genauso denkbar wie Autohändler aus der Region.

Güter- und Personenverkehr kombinieren
Auch unkonventionelle Anregungen wurden am Symposium präsentiert. So könnte man etwa die Oma, die kein Auto hat und in der Früh zum Arzt muss, künftig durchaus im Schulbus mitnehmen. Für die Rückfahrt stünde beispielsweise der Paketzusteller bereit, der Amazon- und Zalando-Sendungen ohnehin an jeden zweiten Haushalt im Ort ausliefert. „Auch engagierte, ,zeitreiche‘ Pensionisten könnten nach Abschluss verbindlicher, zivilgesellschaftlicher Vereinbarungen diese Rolle übernehmen“, so Univ.-Prof. Klaus J. Beckmann, der als Präsident der Akademie für Raumforschung und Landesplanung zu den anerkanntesten Mobilitätsexperten Deutschlands gehört.

Autonutzung effizienter gestalten
In Oberösterreich sitzen pro Pkw-Fahrt derzeit im Schnitt nur 1,1 Personen im Auto. „Die Transportkapazität bleibt also zum Großteil ungenutzt. Den Betrieb des Automobils effizienter zu gestalten und mit dem vorhandenen Autobestand mehr Menschen zu befördern, ist eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre“, so Josef Thurnhofer, Landesdirektor des ÖAMTC Oberösterreich.

 Ein gutes Beispiel, wie man mit Kreativität, Mut und neuen Ideen die Mobilitätsversorgung im ländlichen Raum verbessern kann, ist der Tälerbus Hinterstoder, den die Gemeinde in Eigenregie auf die Beine bzw. Räder gestellt hat. „Wir nutzten eine Fördermöglichkeit und haben das Projekt umgesetzt. Man muss sich nur trauen, den ersten Schritt zu setzen“, so Hinterstoders Bürgermeister Helmut Wallner. Am Symposium selbst nahmen knapp 100 Fachleute aus dem Mobilitätsbereich teil, darunter 40 Bürgermeister bzw. andere Vertreter oberösterreichischer Kommunen.
Diese Texte sind von der Webseite http://www.aoematc.at entommen.
Die Vorträge des Symposiums  finden Sie zum Downlaoden unter: http://www.oeamtc.at/neue-mobilitaetsloesungen-zum-laendlichen-raum

 

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