Mini-ÖPNV f. ländlichen Raum

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Bürgerbus/Bürgerauto/Dorfauto
Bürgertaxi
Fahrdienste mit CarSharing
Mitfahrgelegenheiten
Kombination von Lasten- und Personenbeförderung
Shuttle-Service
Rufbus/Anrufsammeltaxi
CarSharing u. E-Bikesharing

Der Öffentliche Personennahverkehr ist eine Aufgabe der Daseinsvorsorge. Mit zunehmender Abwanderung und Alterung der Bevölkerung im entlegenen ländlichen Raum werden sich in Zukunft nur jene Dörfer stabilisieren, in denen eine aktive Bürgerschaft für attraktive Lebensbedingungen sorgt. Wo kein Gemeinschaftsgefühl entsteht, wo keine Innovation stattfindet, wird der demografische Niedergang nicht aufzuhalten sein. In vielen ländlichen Kommunen ist die ÖPNV-Versorgung mit gewinnorientierten Unternehmen nicht ausreichend und mit Berufsfahrern nicht rentabel zu betreiben. Kommunen können das Nahverkehrsangebot durch Sonderformen (Anruf-Sammel-Taxi, Trampbus, Bürgerbus, Bürgertaxi, Anrufbus, Anruflinienfahrt , ….) erweitern. Viele Beispiele befinden sich im Handbuch „Umwelt- und familienfreundliche Mobilität im ländlichen Raum“ der TU-Berlin. In diesem Handbuch wir auch dafür geworben, dass mit bürgerschaftlichem Engagement in Zusammenarbeit mit der Verwaltung erheblich zur Daseinsvorsorge und zum sozialen Zusammenhalt beigetragen werden kann.
„Mini-ÖPNV-Systeme ( Anruf-Sammeltaxis, Rufbusse, Bürgerbus und Gemeindebusse) können den Linienverkehr ergänzen und helfen, die Abhängigkeit vom Auto zu verringern. Das erhöht die Attraktivität als Wohnort, entlastet die Familien und stärkt die Nahversorgung, weil mehr Kaufkraft im Ort bleibt. Bundesweit braucht es einen Masterplan ,Regionale Mobilität‘.“ Mag. Markus Gansterer, VCÖ-Verkehrspolitik
Diese ÖPNV-Formen sind oft schon verwirklicht mit ehrenamtlichen Fahrern, die über Vereine gestellt werde. Dafür eignet sich ein CarSharingverein, da dabei die Autos mit moderner CarSharingtechnik von den Einwohnern selber für Fahrten genutzt werden können, wenn keine Fahrten mit den ehrenamtlichen Fahrern geplant sind. Ein CarSharingverein kann auch in der Kommune verschieden große Autos (Kleinwagen, Kombi, 9-Sitzer-Bus) anbieten und den Fuhrpark der Bürger für diese ÖPNV-Sonderformen stellen. Mit modernster Technik (internetfähiges Smartphone) und der dazugehörigen APP können spontane Lösungen der Mitfahrgelegenheit im Anruf-Sammeltaxi, Anrufbus oder Bürgertaxi (Nimm-Mich-Mit) verwirklicht werden (spontane Mitfahrmöglichkeit = dynamic ridesharing). Mit diesem Modell des CarSharings im ländlichen Raum lässt sich nicht nur der Öffentliche Verkehr erweitern, sondern wird auch ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet. In jedem 8 Haushalt steht ein Zweit- oder ein Drittauto, das sehr selten gebraucht wird und so weniger als 5.000 km/Jahr fährt. Jeder Haushalt der auf dieses Auto verzichtet und auf CarSharing umsteigt, spart pro Jahr bis zu 3000 Euro. Mit der Einführung von CarSharing in ländlichen Kommunen und dem Angebot der ÖPNV-Sonderformen kann der Autobestand auch im ländlichen Raum stark reduziert werden und die Autofahrten werden nur noch durch die nötigsten Fahrten zur täglichen Arbeit in die nächste Ortschaft oder Stadt beschränkt. Durch CarSharing und durch ehrenamtliche Fahrern lassen sich mit den ÖPNV-Sonderformen sehr gut Kranken-, Behinderten-, Kinder- und Seniorenfahrten organisieren.
Bürgerbusse werden meist von einem Verein betrieben. Dies könnte auch ein CarSharingverein übernehmen; dazu ist mir aber kein Beispiel bekannt. Es gibt aber Beispiele, bei denen CarSharing genutzt wird für Fahrten von Behinderten und Senioren.
Weitere Infos finden Sie unter:
– Senioren-Transport durch CarSharingauto in Königsbrunn/Augsburg
– Behinderten-Transport durch CarSharingautos in Saarbrücken
– Mobilcard Krengelbach: CarSharing mit Elektroautos u. Gemeindebus
Mobilität im ländlichen Raum
– CarSharing mit Bürgerbus
– Elektro-CarSharing im ländlichen Raum in Reute

Wie könnte nun so ein Projekt in einem ländlichen Raum verwirklicht werden?
Mehrere ländliche benachbarte Kommunen motivieren mit logistischer Unterstützung, mit finanzieller Anschubfinanzierung (z.B. einmalig 5000 Euro/Kommune) oder mit staatlicher Förderung (Eler, Leader.) die Bürger zu der Gründung eines gemeinsamen CarSharingvereins. In jeder Kommune mit circa 2000 Einwohnern (1000 Haushalte) gibt es circa 100 Haushalte (200 Einwohner), die von CarSharing finanziell (Spareffekt bis zu 3000 Euro/Jahr) profitieren. Für den Anfang wird ein 9-Sitzer-Bus und für jeden Ort mindestens ein CarSharingauto durch die Vereinseinlagen und mit der Unterstützung durch die Kommune bzw. EU-Förderung finanziert. Mit 100 Mitgliedern läßt sich pro Kommune ein Fuhrpark von 5-8 CarSharingautos verwirklichen. Die Fahrt mit dem Bürgerbus mit ehrenamtlichen Fahrer könnte innerhalb einer Kommune 1 Euro für jeden Einwohner kosten, Fahrten zu den benachbarten Kommunen 2 Euro. Als Mitglied beim CarSharingverein (z.B. Mitgliedsbeitrag 100 Euro/Jahr) zahlt man nur die Hälfte der Gebühr mit dem Bürgerbus. Den Mitgliedern im Verein stehen auch die CarSharingautos gegen Nutzungstarife zur Verfügung. Wenn genügend Einwohner Mitglied werden, kann mit den Mitgliedsbeiträgen auch der Busfahrer bezahlt werden.
Viele Regierungen der einzelnen Bundesländer wollen CarSharing nicht unterstützen. CarSharing in Kombination mit Mini-ÖPNV-Sonderformen erfüllen eine wichtige Funktion im ländlichen Raum. Ich bin deshalb fest der Überzeugung, dass eine Förderung von CarSharingvereinen und damit die Einrichtung von Bürgerbussen durch die Verfassung und durch die Gemeindeordnung der einzelnen Länder gedeckt sind.

Siehe dazu: Handbuch für Mikro-ÖV-Systeme im ländlichen Raum

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